Mein Leben mit Ratten

Dieser Beitrag behandelt das Thema „Ratten als Haustiere“. Hier könnt ihr euch grundsätzlich informieren, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, euch Ratten zuzulegen und erfahrt mehr über Themen wie Ernährung, Haltung und das Wesen dieser Tiere – also im Prinzip über alles, was einen als Rattenhalter so erwartet. Menschen, die bereits Ratten haben, können sich hier vielleicht ein paar Ideen abholen.

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Foto von Jennifer Nowak

Zunächst muss ganz deutlich gesagt werden: Farbratten, die als Haustiere gehalten werden, haben im Grunde nichts mit den Wanderratten zu tun, die wir zum Beispiel von den Straßen der Großstadt kennen. Mit diesem Wissen können schon einmal ein paar Mythen ausgehebelt werden:

  • Farbratten sind keine Müllschlucker. Sie fressen zwar alles, es ist aber in den meisten Fällen ungesund für sie (was übrigens auch für die Ratten gilt, die zum Beispiel draußen im Müll wohnen). Um Ratten vernünftig zu ernähren braucht es eine ausgewogene Futtermischung, die von den Produkten in der Zoohandlung in der Regel nicht abgedeckt wird. Die besten Futtermischungen gibt es online zu kaufen. Ratten sind außerdem laktose-intolerant. Sie sollten keine fettigen, gewürzten Speisen essen. Und sie brauchen täglich frisches Futter (was genau, erklären diverse Futterlisten).

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  • Farbratten gehören NICHT nach draußen. Unsere Farbratten sind kleine Sensibelchen. Sie haben Angst vor Neuem, sind das Ziel von Beutetieren, vertragen keine Sonneneinstrahlung (Wildratten übrigens auch nicht – beide Arten sind dämmerungsaktiv) und werden an der frischen Luft schnell krank. Wer also ein Tier sucht, dass ein cooles Schulter-Accessoire sein soll, sollte sich in der Kuscheltierabteilung umsehen.

MYTHS BUSTED! 🙂

Was unsere Farbratten mit Wildratten gemeinsam haben ist, dass sie viel Auslauf brauchen und vor allem, dass sie Rudeltiere sind. So ein Rudel beginnt ab drei Tieren – nach oben ist der Zahl keine Grenze gesetzt (höchstens eine Platzgrenze). Sie vermehren sich wie die – naja, Ratten eben und sollten deshalb nur in gleichgeschlechtlichen Rudeln gehalten werden. Außerdem haben Ratten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 2 Jahren.

Warum habe ich mich für Ratten entschieden? Dass Ratten nicht nach draußen gehören kommt mir als Bewohner einer kleinen Mietwohnung ohne Garten entgegen. Außerdem entfällt das Gassi-Gehen. Diese Tiere haben aber im Gegensatz zu vielen anderen Kleintieren einen ausgeprägten Charakter, der in vielerlei Hinsicht dem eines Hundes gleicht: Sie sind aufgeschlossen, gesellig, intelligent und verschmust (obwohl es natürlich, wie bei Hunden auch, schüchterne Exemplare gibt).

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Was für einen Käfig brauchen Ratten eigentlich? Ratten benötigen zusätzlich zu ihrem täglichen Auslauf einen Käfig, der viel Raum hat. Die Mindestmaße liegen bei einem Meter in der Höhe und in der Breite, die mindeste Tiefe liegt bei 50 Zentimetern. Wie schon beschrieben handelt es sich um die Mindestmaße – die Größe sollte also keinesfalls unterschritten werden. Mein jetziger Käfig ist zum Beispiel 140 cm hoch, 55 tief und 120 breit. In den käfig gehören außerdem Etagen, die die komplette Grundfläche des Bodens abdecken (sogenannte Volletagen). Die Käfige kann man selber bauen oder kaufen. Ob die Ratten mehr Lauffläche in die Breite brauchen, oder eher so die „Kletter-Typen“ sind und einen höheren Käfig bevorzugen, hängt vom Charakter der Tiere ab.

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Woher bekomme ich meine Tiere? Auf keinen Fall: Bei unseriösen Züchtern und im Zoohandel. Erstens unterstützt man damit die tierquälerische Reproduzierung der Tiere, zweitens wird nicht auf eine gesunde Verkreuzung der Tiere geachtet – sie sind daher häufiger krank. Es gibt eine Liste seriöser Rattenzüchter. Ich halte es für sinnvoll, sich Abgabetiere, Ratten aus dem Tierheim oder Ratten von Notfallstationen zu holen – Kontakte kann man zum Beispiel über Facebook finden.

Ratten als fiese Zerstörer. Wenn du Ratten hast, solltest du nicht allzuviel Wert auf dein weltliches Hab und Gut legen, denn die Viecher zerstören ALLES (ich habe schon von Ausnahmen gehört, kann das aber nicht recht glauben). Besonders beliebt sind Kabel und generell alles aus Gummi, Holz, Tapeten, Textilien, Papier. Warum machen sie das? Es sind Nagetiere. Das sollte man sich immer bewusst machen, wenn man sich Ratten zulegt. Schimpfen und sauer sein bringt nix – schließlich habt ihr euch Nager ins Haus geholt! Es ist also wichtig, das Zimmer in dem die Stinker Auslauf haben so gut es geht „rattensicher“ zu machen.

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Ratten haben Superkräfte. Sie können einen flüssigen Aggregatzustand annehmen, wenn man sie festhalten will. Sie haben Ninja-Fähigkeiten, wenn sie sich verstecken wollen. Sie kommen an die unmöglichsten Orte – ich schließe daraus, dass sie Portale öffnen können. Würde ich Superkräfte wählen können, wäre ich jetzt Rat-Woman.

Kostet die Einrichtung des Käfigs viel Geld? Das kommt auf den persönlichen Geschmack an. Tränken sollten natürlich schon gekauft werden. Ratten lieben und brauchen viel Unterschlupf-Möglichkeiten – wie die sich gestalten ist ihnen aber egal. Während Häuschen und Hängematten aus dem Zoohandel sehr beliebt sind, kann man die meisten Sachen auch selber bauen oder umfunktionierte Gegenstände verwenden – der kaputte Parka wird zu Hängematten verwurstet, Drainagerohre aus dem Baumarkt geben hervorragende Tunnel ab, Kartons und Blumentöpfe werden zu Häuschen und zerrissene Zeitung funktioniert wunderbar als Einstreu. Von Laufrädern, Heu und Futterbällen hingegen ist abzusehen (Verletzungsgefahr, Allergie-Auslöser, …).

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Werden Ratten oft krank? Dass Ratten krank werden, kommt häufig vor. Natürlich kann man auch Glück haben und hat völlig gesunde Tiere. Ratten sind aber grundsätzlich anfällig für alles Mögliche – Tumoren, Schiefköpfe und Atemwegserkrankungen sind die häufigsten Befunde. Sie können schnell daran sterben – wer sich Ratten holt, sollte (wie bei jedem Tier) genug geld für den Tierarzt parat haben und Willens sein, auch abends und am Wochenende den Notfalltierarzt aufzusuchen. Viele Krankheitsbilder können jedoch verbessert oder vorgebeugt werden, wenn die Haltung stimmt.

Wie sieht’s mit dem Geruch aus? Ich persönlich finde nicht, dass meine Viecher stinken. Um herauszufinden, ob man mit dem Geruch der Tiere klarkommt, sollte man im Vorfeld Rattenhalter besuchen. Eine regelmäßige Reinigung des Käfigs sollte selbstverständlich sein. Das läuft in den meisten Fällen einfach ab, denn Ratten sind leicht stubenrein zu bekommen und dann machen sie brav auf’s Töpfchen (bei uns zuhause sind das Eckwannen, die mit staubfreiem Streu gefüllt sind). Wen der Fellgeruch der Ratten stört sollte sie trotzdem nicht baden. Das stresst die Tiere und ist unnötig. Du magst keinen Tiergeruch? Kauf‘ kein Tier.

Wo kann ich mich verlässlich informieren? Leider ist die meiste Lektüre über Ratten nicht auf dem neuesten Stand. Grundsätzlich hat diese Website sehr detaillierte Informationen. Bestimmte Facebookgruppen, z.B. die Gruppe „Ratten“ werden von fachmännischen Administratoren betreut, die mit dem Thema sehr gut vertraut sind.

Mein Leben mit Ratten ist manchmal nervenaufreibend. Ich sehe kein Kabelfernsehen mehr, weil das Kabel durch ist. Ich versuche die Funktion der Knöpfe auf meiner Fernbedienung zu raten, weil sie abgebissen wurden. Ich habe eine Wand verputzt, weil die Tapete abgefräst war. Ich gebe da 80 Euro für den Nottierarzt aus, wo andere für 80 Euro einen Kammerjäger holen würden. Warum halte ich sie trotzdem seit mittlerweile 4 Jahren? Ich liebe es zu beobachten, wie sie durch mein Zimmer hoppeln, oder wie sie aus ihrem Bett steigen und sich dann gähnend in ihr Klo setzen. Sie kriechen mit mir unter die Decke und gucken mit mir Filme. Sie sitzen auf meiner Schulter und kämmen meine Haare. Sie schlecken mir die Hände ab. Sie sind flauschig. Sie sind Therapie.

Als das Pärchen Hannibal und Anthrax zu mir kam, waren die beiden verwahrlost und halb verhungert. Mit der Hilfe von einer Freundin habe ich die beiden wieder gesund gepflegt. Sie sind jetzt mopsige kleine Gestalten, die nur Quatsch im Kopf haben, anhänglich und lieb sind und einem am Ende eines langen Tages am Bein hochlaufen (auch am nackten – autsch), sich auf die Schulter setzen und ins Ohr schnüffeln. Dann bin ich so cool wie ein Pirat – nein, cooler, denn wer will schon einen nervenden Papagei. Liebe ist klein. Liebe ist pelzig.

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2 Gedanken zu “Mein Leben mit Ratten

  1. Hi, ich finds voll nett wie du schreibst. Gut zu lesen und ganz besonders gefällt mir, dass du so ehrlich auch über die Nachteile bzw. unangenehmeren Seiten der Ratten schreibst. Das lässt einen nüchterner überlegen, ob man sich eine Ratte wirklich zulegen möchte. Danke👍🏻

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