Ein Omnivore kocht vegan

Auf dem Halluzienogene-Blog findet ihr neben Rezepten mit Fleisch auch vegetarische und vegane Rezepte. Aber wie kommt jemand, der Fleisch isst dazu, vegan zu kochen?

Ich mag Fleisch und zwar richtig gerne. Wirklich – so ein saftiges Steak ist einfach köstlich. Ich habe außer Fleischeslust aber noch andere Gedanken zum Thema Fleischverzehr und die werde ich nun kurz erläutern.

Was mit meiner Liebe für gutes Essen einhergeht, sind Ansprüche. Wenn ich jetzt also ein Stück Fleisch im Supermarkt kaufe und das beim Braten erstmal auf die Hälfte der Größe zusammenschrumpft, weil es voll mit Wasser ist, dann finde ich das nicht cool. Wenn ich mir überlege, mit was für Scheiß (zum Beispiel eine Vielzahl verschiedenster Medikamente) Mastvieh vollgestopft wird und ich mir dann überlege, dass ich das essen soll – nicht cool. Wenn ich eine Packung Aufschnitt kaufe und das beim Aufmachen riecht wie ein Dixi-Klo, das beim Ruhrpott Rodeo drei Tage in der Sonne stand – nö, find ich nicht cool und mir ist schleierhaft, warum ich sowas essen sollte. So lange, wie ich mir kein anständiges, hochwertiges Fleisch leisten kann, werde ich es auch nicht kaufen.

Zu den persönlichen Ansprüchen an mein Essen kommt noch ein anderer Faktor und der ist meine Abneigung gegen Maßlosigkeit. Ich finde, man muss nicht immer alles konsumieren, nur weil es da ist. Das gilt für Kleidung ebenso wie für Nahrung. Ich muss keine Erdbeeren im Winter essen. Und genau so wenig muss ich jeden Tag Fleisch essen. Das rührt zum einen daher, dass ich Zurückhaltung als ein Zeichen für Charakterstärke sehe.
Auf der anderen Seite grenzt es wirklich an Wahnsinn, wie viele Ressourcen draufgehen, damit ich mir den Bauch mit Fleisch vollschlagen kann. Für die Produktion von einem Kilo (!) Rindfleisch werden zum Beispiel 15 000 Liter Wasser benötigt. Düngemittel für die Tiernahrung zerstört die Nährstoffbalance der Ökosysteme. Während Vegetariern und Veganern oft vorgeworfen wird, dass der hohe Soja-Konsum der Umwelt schade, muss man sich doch vor Augen führen, dass 98% des Weltweit angebauten Sojas allein für Tiernahrung genutzt wird. Und das rechnet sich wirtschaftlich etwa so: Während man aus einem Kilo Sojabohnen rund zwei Kilo Tofu herstellen kann, wirft ein Schwein, dem man die gleiche Menge Soja füttert, nur 300 g Fleisch ab. Die Tiermast schadet der Umwelt also deutlich mehr, als der Direktkonsum von Futterpflanzen. Außerdem kommen in diesem Zusammenhang auch Gedanken zum Welthungerproblem auf – die Nahrung, die für die Produktion von meinem Schnitzel draufgeht, könnte einige Menschen satt machen. Das halte ich für einen hohen Preis, der gezahlt wird, nur damit ich auf meiner Facebook-Pinnwand Bildchen teilen kann, auf denen steht „Fleisch ist mein Gemüse“. (Langsamer, ironischer Applaus für diese undifferenzierte Hohlköpfigkeit. Nein ernsthaft, nichts gegen Hedonismus, aber doch nicht auf anderer leute Kosten.)

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit veganer oder vegetarischer Ernährung häufig fällt, ist Verzicht. Wahrscheinlich ist das eine persönliche Sache, inwiefern man fleischlose Ernährung als Verzicht empfindet. Ich kann von mir allerdings behaupten, dass ich selten das Gefühl habe, dass mir irgendetwas fehlt, wenn ich ohne Fleisch koche:

  • Zufälliges Beispiel: Pilz-Rahm-Pfanne mit Nudeln. Für mich ist bei diesem Gericht Ausschlaggebend, wie göttlich die Pilze mit Weißwein und schwarzem Pfeffer schmecken. Ob sich da nun eine Pute in der Soße herumtreibt, oder der Rahm aus Sojasahne besteht, empfinde ich als zweitrangig.
  • Nachgemachte Produkte. Veganes Mett oder vegetarische Mortadella schmecken ziemlich exakt so, wie ihre fleischlichen Vorbilder aus dem Supermarkt. Warum sollte ich dann die Variante mit Fleisch wählen, wenn das Produkt mit dem einzigartigen Aroma und der Beschaffenheit von Fleisch (ich verweise wieder auf ein saftiges Steak) doch ziemlich wenig zu tun hat?

Das sind einige Gründe dafür, warum ihr auf dem Halluzienogene-Blog neben Rezepten mit Fleisch auch viele vegetarische und vegane Rezepte findet. Es steht nicht der Gedanke, die Welt zu retten im Vordergrund, sondern leckerer Geschmack und die Liebe zum Essen – und das geht nunmal auch sehr gut vegetarisch und vegan!

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